Therapeutisches Klettern — wie es in Ihrer Praxis aussehen könnte
Ein Leitfaden für Physio-, Ergo- und Sporttherapeuten, die überlegen, das therapeutische Klettern selbst anzubieten — von der ersten Vorstellung bis zur ersten Einheit.
Ein Patient, den Sie sonst zu jeder dritten Wiederholung überreden müssen, steht vor der Wand und greift von selbst hoch.
„Sobald ich mit einem/r Patient*In vor einer Kletterwand stehe, beginnt sie oder er oft ohne Aufforderung einfach los zu klettern. Das passiert mir von einer Langhantel-Stange oder einer Beinpresse eher selten."Rudolf Steckholzer, Physiotherapeut13
Das passiert in der eigenen Praxis, in einer normalen Therapieeinheit, mit einem Patienten. Man braucht dafür drei Dinge — eine Ausbildung, die Übungsvorlagen und die Wand.
Und die Wand lässt sich neigen — bis 15 Grad nach hinten. Positiv geneigt verlagert sie Last von den Armen auf die Beine9, sodass auch jemand nach einer Operation oder mit unsicherem Stand den ersten Zug schafft.
Der Leitfaden geht die Reihe nach durch, was Sie dafür wissen müssen — was es ist, wie es wirkt, für wen es passt, wie eine Einheit abläuft, was Sie können müssen, was im Raum steht und was es kostet.
Was therapeutisches Klettern ist — und was nur so aussieht
Bevor man sich etwas vorstellen kann, muss man wissen, wovon die Rede ist — und was schon da ist. Beides ist überraschender, als es klingt.
Wann es Therapie ist und wann nur Klettern mit Rezept
Wer eine Boulderwand in die Praxis stellt und Patienten hochklettern lässt, macht damit noch keine Klettertherapie.
Der Psychiater und Psychotherapeut Thomas Lukowski hat dafür — mit Blick auf den psychotherapeutischen Bereich — einen brauchbaren Test formuliert. Von therapeutischem Klettern lässt sich erst sprechen, wenn drei Dinge zusammenkommen: 7
- Eine theoretische Grundlage und ein Behandlungskonzept, das darauf aufbaut.
- Eine Diagnostik, also das Erkennen und Formulieren der Prozesse, die gebessert werden sollen.
- Eine entsprechende theoretische und praktische Ausbildung der Therapeuten für die Arbeit mit ihren Patienten.
Fehlt das, bleibt laut Lukowski nur die Formel: „Hat gut getan und Spaß gemacht." Das ist nicht wenig — aber es ist keine Therapie.
Praktisch heißt das: Jede Bewegung an der Wand ist indiziert, dosiert und begründet. Sie können sagen, warum dieser Griff an dieser Stelle sitzt, in welche Reha-Phase die Übung gehört und woran Sie den Fortschritt festmachen. Die Wand macht keine Therapie. Sie machen sie.
Die drei Fragen funktionieren auch in die andere Richtung. Wer eine Fortbildung sucht, kann sie dem Anbieter stellen — auf welchem Konzept das steht, wie diagnostiziert wird, wer ausbildet. Wo darauf keine klare Antwort kommt, ist es eine Übungssammlung.
Diese drei Bedingungen sind seit 2010 so formuliert. Das Verfahren selbst ist älter.
Seit Jahrzehnten da — und kaum jemand kennt es
Therapeutisches Klettern ist kein neues Verfahren. Es entstand in den Achtzigerjahren2 und kommt seitdem nur langsam an.
Eine Potsdamer Diplomarbeit von 2000 hat den Stand von damals aufgeschrieben: Der orthopädisch-traumatologische Einsatz stehe „noch am Anfang", einen publizierten Vergleich zwischen Klettern und herkömmlichen Methoden habe sie nicht gefunden.8 Gearbeitet wurde trotzdem schon — vorwiegend an kleinen, etwa 2,5 Meter hohen Kletterwänden; daneben nennt die Arbeit Sprossenwände, Kletterplatten und eine computergesteuerte Kletterscheibe mit verstellbarem Neigungswinkel.
Was seitdem passiert ist, lässt sich an vier Punkten festmachen:
- 2008 erscheint bei Thieme das Standardwerk „Therapeutisches Klettern" von Dieter Lazik und anderen, Mitautor ist Dr. René Kittel.9
- 2010 kommt die erste randomisierte Studie in der Akutgeriatrie — 95 Patienten, Durchschnittsalter 81 Jahre.1
- 2011 fasst ein systematisches Review vier randomisierte Studien zusammen und kommt zu einem nüchternen Ergebnis: kleine Studien, hohes Verzerrungsrisiko, Wirkung unklar.4
- 2020 erscheint eine multizentrische randomisierte Studie mit 233 ambulanten Patienten mit Depression.3
Was an dieser Liste auffällt, ist die Herkunft. Eine Diplomarbeit an einer Universität. Ein Standardwerk aus Potsdam. Ein Landeskrankenhaus in Kärnten. Eine Universitätsklinik in Erlangen. Kein einziger Hersteller. Das Verfahren ist von Therapeuten und Kliniken entwickelt worden, nicht von jemandem, der Wände verkauft.
Parallel hat sich der Schwerpunkt verschoben. Am Anfang stand die Rehabilitation in Orthopädie und Neurologie; heute wächst das Feld vor allem in der Psychotherapie und Verhaltenstherapie.
Für Sie hat das einen praktischen Vorteil: Sie müssen nichts erfinden. Die Übungen sind beschrieben, die Dosierung folgt einem Modell, gemessen wird mit Assessments, die Sie kennen. Was seitdem erarbeitet wurde, liegt vor — es hat nur kaum jemand ausprobiert.
Wie wenige das sind, lässt sich ziemlich genau sagen.
Wer damit arbeitet, und warum die Liste kürzer ist, als sie sein müsste
An Universitätskliniken läuft das seit Jahren. In niedergelassenen Praxen fast nirgends.
In Kliniken. Die Geriatrie-Studie kommt aus dem Landeskrankenhaus Laas in Kötschach-Mauthen. Die MEDICLIN Kliniken Bad Wildungen führen therapeutisches Klettern in der Psychosomatik und Psychotherapie als eigenes Angebot. Aus der Psychiatrie der Universitätsklinik Tübingen liegt ein Erfahrungsbericht vor.
In der Weiterbildung. Die Technische Universität München bietet über das Weiterbildungszentrum an der Sportfakultät einen eigenen Kurs an — „Therapeutisches Klettern – Verhalten und Erleben", auf psychosomatische Erkrankungen aller Altersstufen ausgerichtet, mit Selbsterfahrung und Stundenbildern anhand von Fallbeispielen.
In niedergelassenen Praxen. In Wien arbeitet eine ergotherapeutische Praxis mit Kindern ab vier Jahren, ausgebildet über das Institut für Therapeutisches Klettern (ITK), mit sensorischer Integration nach Ayres und CO-OP als Grundlage. Eine personzentrierte Psychotherapeutin, ebenfalls in Wien, setzt es bei Ängsten, Depression, Selbstunsicherheit und Körperschemastörungen ein — mit Reflexion in der Praxis nach der Kletterstunde.
Diese Liste ist kurz genug, dass man die Leute anrufen kann. Das ist der Vorteil eines Feldes, das noch klein ist: Wer anfangen will, findet jemanden, der schon angefangen hat, und muss nicht raten.
Es ist kein Trend. Es ist ein Verfahren, das in einzelnen Häusern seit Jahren läuft, ohne dass daraus eine Regelversorgung geworden wäre. Wer damit anfängt, ist selten der Erste — aber meistens der Erste im eigenen Umkreis.
Was in diesen Häusern tatsächlich passiert, sobald jemand an der Wand hängt, ist besser untersucht als die Verbreitung.
Warum es wirkt, und woran Sie es dosieren
Der interessanteste Teil passiert, bevor die Therapie überhaupt anfängt. Jemand steht vor der Wand, schaut sie an — und greift hoch. Ohne dass Sie ihn dazu bringen mussten.
Steckholzer nutzt das Therapieklettern, um eindimensionale MTT-Übungsreihen zu erweitern, und sagt dazu einen Satz, der die Sache zusammenfasst: „Spass am Trainieren fördert das Outcome!"13 Freude an der Bewegung und Therapieadhärenz sind keine Gegensätze — aber Freude allein ist noch keine Dosierung.
Vier Dinge auf einmal, die an einem Einzelgerät selten zusammenkommen
Ein Einzelgerät trainiert meist eine Sache. An der Wand laufen vier auf einmal.
Sobald jemand hängt:
- Fast alles läuft in der geschlossenen Kette. Hände und Füße haben Kontakt, die Gelenke werden geführt. Jens Brünjes, der die PhysioClimb-Fortbildung leitet: „Man arbeitet über die geschlossene Kette, also gelenkschonend … man aktiviert die kompletten dorsalen Muskelketten."
- Dynamisch und statisch zugleich. Ein Zug verbindet Anspannen, Nachgeben und Halten. Die Bewegung läuft in mehreren Ebenen und aktiviert Muskelschlingen, die sich über Arme, Rumpf und Beine ziehen.2
- Gleichgewicht und Propriozeption sind ständig gefordert. Der Ergotherapeut Philipp Ruspeckhofer fragt auf seiner Profilseite, was man bei Gleichgewicht, Haptik und Propriozeption anderes wählen solle als Klettern.13
- Der Blick geht nach vorn, nicht nach innen. Wer den nächsten Griff sucht, denkt nicht über den Schmerz nach. Die Aufmerksamkeit ist außen, die Bewegung passiert nebenbei.
Der vierte Punkt ist der, der die anderen drei trägt. Solange die Aufmerksamkeit beim nächsten Griff ist, muss niemand über die Bewegung nachdenken — und genau deshalb wird sie ausgeführt, ohne dass Schonhaltungen dazwischenkommen.
Für Sie heißt das: Sie brauchen kein neues Denkmodell. Was an der Wand passiert, lässt sich mit dem beschreiben, womit Sie ohnehin arbeiten.
Ob sich davon auch etwas messen lässt, ist die nächste Frage.
Nicht stärker als das Gerät — aber besser verteilt
In einer Vergleichsstudie brachte Klettern nicht mehr Kraft als Gerätetraining. Es verteilte sie anders.
Eine Untersuchung an 22 Patienten mit Rückenschmerzen hat einen Indoor-Kletterkurs gegen isokinetische Krafttherapie gestellt — zehn kletterten, zwölf trainierten am Gerät. Beide Gruppen legten beim Kraftzuwachs und in der Mobilität ähnlich zu. Der Unterschied lag in der Muskelbalance, und die war in der Klettergruppe besser.5
Das ist ein unbequemer Befund für beide Seiten. Er nimmt dem Klettern das Versprechen, effektiver zu sein — und dem Gerätetraining die Selbstverständlichkeit, die bessere Wahl zu sein.
Was sich außerdem messen lässt:
- Funktion im Alltag. In einer randomisierten Studie mit 28 Patienten mit chronischem Rückenschmerz verbesserte sich die körperliche Funktionsfähigkeit im SF-36 um 16,2 Punkte stärker als unter Standard-Bewegungstherapie, die allgemeine Gesundheitswahrnehmung um 13,1. Die rückenspezifische Funktion unterschied sich nicht, und mit Endwerten gerechnet war der Unterschied nicht mehr signifikant.4
- Selbstständigkeit. In der Akutgeriatrie stieg der Barthel-Index der Klettergruppe nach fünf Einheiten à 30 Minuten um 11,4 Punkte, in der Kontrollgruppe um 9,0 — ein Unterschied von 2,3 Punkten.14
Ein ehrlicher Zusatz gehört dazu: Diese Studien messen Anfang und Ende, nicht den Verlauf dazwischen. Wann eine Veränderung einsetzt, ist nicht untersucht. Und das systematische Review von 2011 stuft die gesamte Evidenzlage als kleine Studien mit hohem Verzerrungsrisiko ein. Keine der hier zitierten Studien wurde an einer PhysioClimb-Wand durchgeführt.
Was daraus für die Praxis folgt, ist trotzdem brauchbar: Die messbaren Effekte liegen dort, wo Sie ohnehin dokumentieren — Mobilität, Gleichgewicht, Selbstständigkeit. Sie brauchen kein neues Assessment, um zu belegen, dass sich etwas tut.
Steuern lassen sie sich allerdings schwerer als am Gerät. Der Grund dafür ist banal und folgenreich.
An der Wand gibt es kein Wiederholungsmaximum
Am Seilzug testen Sie das Einer-Wiederholungsmaximum, rechnen auf Prozent herunter — fertig. An der Wand fällt dieses Werkzeug weg.
Der Patient hängt am eigenen Körpergewicht, es gibt keine Steckscheibe. Dr. René Kittel schreibt es im Praxisbuch offen hin: „Diese Belastungsparameter sind in der Klettertherapie deutlich komplizierter zu bestimmen." 9
Das ist die Stelle, an der die meisten aufhören zu fragen — und der Grund, warum an vielen Wänden geklettert und nicht therapiert wird. Wer nicht dosieren kann, kann nicht begründen, und wer nicht begründen kann, dokumentiert am Ende „hat gut getan".
Das Potsdamer Modell ersetzt das fehlende Gewichtsschild durch drei andere Stellschrauben.
Dosieren ohne Steckscheibe — über Sekunden, Grad und Zentimeter
Statt einer Zahl gibt es drei.
- Haltezeit statt Wiederholungen. Über die Dauer, die eine Position gehalten wird, schließen Sie auf die Kraftfähigkeit zurück. 8–15 Sekunden zielen auf Hypertrophie, 40–60 Sekunden auf Kraftausdauer.9
- Neigung statt Gewicht. Positiv geneigt verlagert die Wand Last von den Armen auf die Beine, überhängend fordert sie vor allem Rumpf und Oberkörper.9
- Abstände statt Hebel. Wie weit Griffe und Tritte auseinanderliegen, entscheidet über die Intensität jeder Bewegung.
Die zweite Stellschraube hat kaum ein Einzelgerät. Ein Seilzug verlangt, dass Sie die Steckscheibe umsetzen — die Neigung ändern Sie zwischen zwei Durchgängen mit einem Hebel, ohne umzubauen. Die Belastung sinkt oder steigt mitten in der Einheit, ohne dass die Bewegung wechselt.
Damit ist die Dosierung geklärt. Offen bleibt, wie aus einer Bewegung eine Übung wird, die man zweimal gleich ausführen kann.
Der Moment, in dem aus einer Bewegung eine Übung wird
Eine Übung, die man nicht zweimal gleich ausführen kann, ist keine Übung. Sie ist ein Versuch.
Das Potsdamer Modell zerlegt jede Therapiebewegung in zwei Zustände. 69 Haben alle vier Extremitäten Kontakt zur Wand und liegt der Körperschwerpunkt mittig, entsteht ein Stabilisationsviereck — die Entspannungsphase. Löst sich eine Hand oder ein Fuß, bleiben drei belastete Kontaktstellen: das Belastungsdreieck — die Belastungsphase.
Dahinter steht die klassische Drei-Punkt-Regel des Kletterns: Drei Kontaktpunkte bleiben, einer löst sich. Sicherheitsregel und Dosierungsprinzip in einem.
Weil Anfangs- und Endposition identisch sind, wird die Bewegung seriell wiederholbar — vergleichbar mit einem Seilzug. Das ist der Moment, in dem aus „wir machen was mit Klettern" eine Therapieübung wird, die Sie planen und dokumentieren können.
Damit steht das Werkzeug. Die nächste Frage ist, bei wem Sie es einsetzen.
Für welche Ihrer Patienten es passt — und für welche nicht
Jetzt wird es konkret. Gehen Sie im Kopf Ihre Terminliste der nächsten Woche durch — für erstaunlich viele davon kommt die Wand infrage.
Die Vorsitzende des Physiotherapeutenverbands IFK, Ute Repschläger, nannte es 2018 eine „sinnvolle Ergänzung zur klassischen Physiotherapie"; in Deutschland, so der Verband, komme es bisher nur selten zum Einsatz.14 Die folgenden zwölf Abschnitte gehen die Felder einzeln durch — mit Studien, wo es welche gibt, und mit dem ausdrücklichen Hinweis, wo es keine gibt.
Wenn beim Rückenpatienten seit Wochen dasselbe läuft — geprüft gegen das Gerät
Der Rückenpatient, bei dem Sie seit Wochen dieselben Übungen anleiten — für den ändert sich hier zuerst etwas.
An der leicht positiv geneigten Wand kann er arbeiten, ohne dass Sie das Gefühl haben, es sei zu viel. Befragte Therapeuten berichteten schon im Jahr 2000 von guten Erfolgen bei Lumbalgie, Skoliose, Bandscheibenprolaps und Fußproblemen. 8
Der Reiz liegt im funktionellen Aufbautraining in der geschlossenen Kette. Ein kontrollierter Vergleich mit 22 Rückenpatienten stellte Klettertraining gegen isokinetisches Krafttraining: ähnlich große Effekte bei Kraftzuwachs und Mobilität — die Klettergruppe zeigte zusätzlich eine verbesserte Muskelbalance. 5
Kleine Stichprobe, und von dieser Arbeit ist nur die Zusammenfassung frei zugänglich. Als Größenordnung ist sie brauchbar: Klettern ist am Rücken eine ernstzunehmende Alternative zum klassischen Gerätetraining.
Was am Rücken gilt, gilt an der Schulter aus einem anderen Grund.
Die Schulter in der geschlossenen Kette
Am Seilzug arbeitet der Arm gegen einen Widerstand, der außen sitzt. An der Wand ist der Widerstand der eigene Körper.
Das Gelenk arbeitet dabei in der geschlossenen Kette — sie schließt sich über Hand, Arm, Schultergürtel und Rumpf bis zu den Füßen. Geführt wird trotzdem: Anspruchsvolle Schulterübungen soll der Klettertherapeut anfangs führen, und die Schultern dürfen nicht nach innen-ventral ausweichen.9
Aus der Literatur stammt etwa die Kräftigung der Schulterblatt-Adduktoren und -Abduktoren, ausdrücklich „aus den Schultergelenken heraus" gearbeitet.8
Die Anforderung an das Gelenk regeln Sie dabei über die Neigung, nicht über die Übung. Die Schulterübungen im Praxisbuch laufen an der senkrechten bis leicht überhängenden Wand9 — je steiler, desto mehr trägt der Arm. Der Bewegungsablauf bleibt derselbe, und die Dokumentation auch.
Was hier fehlt, sagen wir besser, als es zu behaupten: Für die Schulter gibt es keine kontrollierte Studie, wie sie für Geriatrie, MS oder Depression vorliegt. Schulterverletzungen und Schulterinstabilität stehen in den Indikationslisten der Häuser, die damit arbeiten, und in den Curricula der Fortbildungsanbieter. Als Beleg ist das schwächer als eine Studie — aber es ist die ehrliche Auskunft.
Nach einer Operation gelten allerdings andere Regeln als für die intakte Schulter.
Nach der Operation zählen Phasen, nicht Wochen
Auf die Frage „ab wann" gibt es keine Antwort in Wochen. Es gibt eine in Phasen.
Das Potsdamer Modell orientiert sich am sechsstufigen Phasenmodell der ambulanten orthopädisch-traumatologischen Rehabilitation nach Meier — von der Automobilisation über Anbahnung und Kraftausdauer bis zu Maximalkraft und Spezialisierung. Jede Übung im Praxisbuch trägt die Phase, für die sie freigegeben ist.9
Zählt man die 32 Übungen des Praxisteils danach durch, in welcher Phase sie frühestens beginnen, ergibt sich ein deutlich ungleiches Bild:
Eine einzige Übung ist für Phase 1 ausgewiesen — die aktive Mobilisation der Wirbelsäulenrotation, bei leicht positiver bis senkrechter Wand. Vierundzwanzig beginnen in Phase 2, zwei in Phase 3, fünf erst in Phase 5.
Dass in Phase 4 und 6 keine Übung neu einsetzt, heißt nicht, dass dort nichts passiert — die meisten laufen über mehrere Phasen weiter. Es heißt, dass die Wand ihren Einstieg zu drei Vierteln an einer einzigen Stelle hat.
Damit ist die Antwort auf „ab wann" erstaunlich einheitlich: meist Phase 2, Anbahnung und Propriozeption von Funktionsbewegungen. Das ist ohnehin der Zeitpunkt, an dem Funktionsbewegungen angebahnt werden — die Wand verlangt also keinen eigenen Termin im Behandlungsverlauf, sondern setzt dort an, wo Sie ohnehin umschalten.
Wonach sich die Freigabe richtet, sagt das Praxisbuch unmissverständlich: nach der postoperativen Vorgabe. Als spezielle Kontraindikationen nennt es „Vorgabe von Bewegungsumfängen postoperativ, Vorgabe von Bewegungsrichtungen in Abhängigkeit der Reha-Phasen" — und als laufendes Kriterium die schmerzfreie Bewegungsausführung.9
Beim Gelenkersatz wird es unbequem, und das gehört hierher.
Eine Übersichtsarbeit in der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin, gestützt unter anderem auf eine Befragung von Mitgliedern der amerikanischen Hip Society, führt „Klettern" für Hüfte, Knie und Schulter übereinstimmend in der Spalte nicht empfehlenswert.12 Dieselbe Arbeit schreibt: „Von schlecht kontrollierbaren Bewegungsabläufen mit erhöhten Dreh-, Stoß- und Scherbelastungen wird vor allem in der Frühphase nach Gelenkersatz abgeraten", und eine Steigerung der Lastkomponente in Sportarten mit erhöhtem Impact könne nach unauffälligen Verlaufskontrollen „frühestens sechs Monate postoperativ empfohlen werden".
Bewertet werden dort Sportarten — nach Impact, Lastkomponente und Verletzungsrisiko. Ob eine therapeutisch gesteuerte Einzelübung an einer neigungsverstellbaren Wand unter Aufsicht damit gemeint ist, sagt die Arbeit nicht. Sie sagt es weder so noch anders.
Für die Praxis heißt das: Bei Endoprothesen ist die ärztliche Freigabe nicht eine Formalie, sondern die eigentliche Entscheidung. Die Kontraindikationen, die dieselbe Arbeit nennt, gelten unabhängig davon — Infektionen, Gelenkinstabilität und Lockerungszeichen der Prothese; als relative Kontraindikationen werden Revisionseingriffe, muskuläre Insuffizienz und ein BMI über 30 diskutiert.12 Bei Gelenkersatz entscheidet nicht die Neigung der Wand, sondern der Operateur.
Auch ohne Operation gibt es Gelenke, die keine Stauchung vertragen.
Arthrose und Rheuma — Gelenke, die man nicht stauchen darf
Ein Gelenk, das man nicht stauchen darf, schließt viele Kraftübungen aus.
An der Wand gilt dasselbe Argument wie oben: Gearbeitet wird in der geschlossenen Kette, die als gelenkschonend gilt.
Aus den Praxisberichten der Potsdamer Erhebung werden gute Erfahrungen bei Rheumatikern und bei Patienten mit Gelenkersatz genannt — neben Lumbalgie, Skoliose, Bandscheibenprolaps und Osteoporose.8 Die Untersuchung von 1999 zum Vergleich mit isokinetischem Krafttraining erschien in der Aktuellen Rheumatologie, untersucht wurden allerdings Rückenpatienten.
Der praktische Teil ist die Tagesform. Bei entzündlichen Erkrankungen schwankt die Belastbarkeit außerhalb akuter Schübe von Woche zu Woche, manchmal von Tag zu Tag. Die Neigung verschiebt die Last zwischen Armen und Beinen — an einem schlechten Tag weg vom betroffenen Gelenk. Die Übung bleibt dieselbe, das Therapieziel auch, und Sie müssen nicht begründen, warum Sie auf ein anderes Gerät ausweichen.
Auch hier die ehrliche Einordnung: Es gibt keine kontrollierte Studie zu Arthrose oder rheumatoider Arthritis. Was vorliegt, sind Praxisberichte und die mechanische Begründung. Wer das einer Chefärztin vorlegt, sollte es so nennen.
Bei schwankender Belastbarkeit ist eine Übung, die man herunterregeln kann, mehr wert als eine, die stärker wirkt.
Bis hierher ging es um Gelenke. Die nächsten Felder betreffen das, was sie steuert.
Neurologie — drei Jahre später klettern sie noch
Eine Patientin mit Multipler Sklerose, die schnell erschöpft. Ein Mann nach Schlaganfall mit einer Hand, die nicht mehr sicher greift. Für beide gibt es an der Wand einen Weg — und für die MS-Patientin sogar Zahlen.
In einer kontrollierten Studie mit 27 Teilnehmern sank die Fatigue der Interventionsgruppe nach 20 Einheiten deutlich (Median 36 auf 17,5; p = 0,011), während sich die Kontrollgruppe nicht veränderte. 2
Bemerkenswerter als die Zahl ist der Nachsatz: Drei Jahre nach Studienbeginn kletterten noch 18 der 27 Teilnehmer regelmäßig — in einer Rehasport-Gruppe, die aus der Studie hervorgegangen war.2
Dass eine Bewegungsform nach dem Ende der Behandlung weiterläuft, ist die Ausnahme. Bei den meisten hört sie mit dem letzten Rezept auf.
Praktisch hilfreich ist, wie Kern und Kollegen mit Einschränkungen umgehen: Handschuh bei ataktischer Hand, Beinschlaufe bei fehlender Hüftbeugung, Brustgurt mit Rückholseil bei kognitiver Steuerungsschwäche. Als Reichweite nennen die Autoren: einsetzbar, solange die Person „noch einen eigenständigen Transfer leisten kann […] und auf Ansprache reagiert" — formuliert allerdings für Menschen mit MS, an einer Seilkletterwand, nicht als allgemeine Regel.
Für Schlaganfall und Parkinson gibt es bislang kaum belastbare Daten. Dort trägt das funktionelle Trainingsprinzip, nicht die Studienlage.
Was bei einem beschädigten Nervensystem funktioniert, funktioniert auch bei einem alten — nur rechnet dort niemand damit.
Eine 81-Jährige an der Kletterwand — und was der Vergleich mit der Physiotherapie ergab
Die Vorstellung ist zunächst ungewohnt. Genau das ist untersucht worden — in der ersten randomisierten Studie zu diesem Verfahren in der Geriatrie.
95 Patienten der Akutgeriatrie, Durchschnittsalter 81 Jahre, wurden zufällig auf zwei Gruppen verteilt: 48 kletterten in Boulderhöhe, 47 erhielten konventionelle Physiotherapie. 1 Nach nur 5 Einheiten à 30 Minuten war die Klettergruppe in drei Messgrößen signifikant besser: Timed-Up-and-Go, Tinetti-Test und Barthel-Index (Anstieg um 11,4 gegenüber 9,0 Punkten). Nach dem Tinetti-Test rückte die Klettergruppe im Mittel von der Stufe „signifikant erhöht" auf „eventuell erhöht", die Kontrollgruppe blieb in ihrer Stufe.
Ehrlich dazugesagt: Bei der Handkraft und bei der Zahl der tatsächlichen Stürze gab es keinen signifikanten Unterschied — die Stürze gingen in beiden Gruppen zurück. Belegt ist ein besserer Tinetti-Wert, keine geringere Sturzzahl.
Das Fazit der Autoren ist für die Praxis das Entscheidende: therapeutisches Klettern lasse sich auch bei geriatrischen Patienten „sinnvoll, sicher und zielführend" einsetzen. Geklettert wurde dabei in Boulderhöhe, an einer senkrechten, zum Teil leicht überhängenden Wand.
Am anderen Ende der Altersspanne stellt sich die Frage nach der Motivation gar nicht erst.
Pädiatrie — ein Kind, das nicht stillsitzen kann, muss es hier nicht
Ein Kind, das nicht stillsitzen kann, steht vor einer bunten Wand. Das ist der Unterschied zu fast allem anderen, was Sie mit ihm machen könnten.
Im Sinne der Sensorischen Integration werden dabei Basissinne, Auge-Hand- und bilaterale Koordination, Körperspannung, Rumpfkontrolle sowie Fein- und Graphomotorik angesprochen. Für Kinder mit Wahrnehmungsstörungen oder ADHS kommt die Kletterbewegung dem Bedürfnis entgegen und schafft Erfolgserlebnisse.
Dazu kommt, was an der Wand sonst noch möglich ist: Kletterspiele, Partnerübungen, Sensibilisierungsaufgaben mit verbundenen Augen. Dafür gibt es eigene Sammlungen mit mehreren Dutzend Spielen.
Die Studienlage ist dünn: Die einzige randomisierte Studie mit Kindern, die das Review von 2011 fand, verglich 20 Kinder mit Behinderung oder schwacher Motorik mit einer Wartegruppe und ergab keinen signifikanten Effekt.4
Was Kindern an Bewegung angeboten wird, verlangt fast immer Stillhalten oder Wiederholung. Eine Form, die sie von selbst suchen, ist selten geworden — und das ist der Grund, warum hier niemand überreden muss.
Der Nebeneffekt ist der, den Eltern zuerst bemerken: Die Übung findet auch zu Hause statt — nicht als Hausaufgabe, sondern weil das Kind sie vorführen will.
Bei Kindern ist die Angst vor der Wand selten das Thema. Bei Erwachsenen ist sie manchmal genau das — und dann wird sie zum Werkzeug.
Angst und Depression — zwei Griffe höher, oder eben nicht, und hier ist die Evidenz am stärksten
Hier passiert etwas, das man in einem Behandlungsraum nur schwer herstellen kann: Ein Mensch steht vor einer Situation, die ihm Angst macht, und entscheidet selbst, wie weit er geht. Zwei Griffe höher. Oder eben nicht.
Eingesetzt wird das bei Angst- und Panikstörungen als Expositionsübung, bei Depression zur Aktivierung, bei Essstörungen und Körperschemastörungen zur Körperwahrnehmung.
Warum ausgerechnet Klettern? Lukowski vermutet dahinter unter anderem die Kontrollverlustangst — die Furcht, einer Situation hilflos ausgeliefert zu sein. Sie steht hinter Höhenangst genauso wie hinter Platzangst, Prüfungsangst, sozialer Phobie und Traumafolgen. An der Wand, so seine Überlegung, lässt sich genau dieser Mechanismus bearbeiten, in kleinen, selbst bestimmbaren Schritten. 7
Die Evidenz ist hier am belastbarsten. In einer multizentrischen randomisierten Studie senkte eine Boulder-Psychotherapie die Depressionswerte (MADRS) von 64 ambulanten Patienten um 8,4 Punkte, gegenüber 3,0 bei 69 Patienten der Vergleichsgruppe. 3 In explorativen Auswertungen zeigten sich außerdem Vorteile bei Angst, Körperbild und globalem Selbstwert.
Entscheidend für die Einordnung: Die Vergleichsgruppe machte ein angeleitetes Bewegungsprogramm zu Hause. Der Effekt geht also über den reiner körperlicher Aktivität hinaus.
Ein Teilnehmer des Projekts „Klettern und Stimmung" beschreibt, wie er durch die Boulder-Therapie aus endlosen Gedankenschleifen wieder ins Erfahren und Handeln kommt.15
Ein weiteres Feld arbeitet mit demselben Mechanismus — und ist dazu wenig untersucht.
Sucht — etabliert, aber wenig untersucht
Kliniken setzen Klettern in der Entwöhnungsbehandlung ein — für die Erfahrung eigener Möglichkeiten und Grenzen und den Umgang mit Gefühlen wie Angst und Frust. 8 11
Hier gibt es keine kontrollierten Studien, nur Konzeptbeschreibungen und Praxisberichte. Wer das anbietet, sollte es als bewegungstherapeutischen Baustein führen, nicht als evidenzbasierte Einzelmaßnahme.
Nicht alles davon muss überhaupt Therapie sein.
Prävention nach § 20 — der einfachere Weg
Für Privatpraxis, Selbstzahler und zertifizierte Präventionskurse — Rückengesundheit, Gleichgewicht, Sturzprophylaxe. Hier ist kein Medizinprodukt nötig, ein Trainingsmodell genügt.
Das ist für viele der einfachere Einstieg: keine Verordnung, kein Medizinprodukterecht. Nötig sind ein zertifiziertes Kurskonzept, die passende Qualifikation und Teilnehmer, die selbst zahlen oder es sich von der Kasse bezuschussen lassen.
Und dann gibt es die Gruppe, die bei diesem Thema selten im Mittelpunkt steht.
Die, die sonst nirgends klettern könnten — mit Entlastung von oben
Ein Mann nach Polytrauma, der Wochen auf der Intensivstation lag. Eine Frau im Rollstuhl. Jemand mit mehreren Wirbelkörperbrüchen.
In der Fachliteratur ist der Weg „von der Intensivstation an die Kletterwand" als Fallbericht beschrieben, gearbeitet wurde dabei mit PNF-Beinmustern. 10
Andere Anbieter lösen solche Fälle über aufwendige Seil- und Sicherungstechnik, denn ihre Wände lassen sich, wenn überhaupt, nur überhängend stellen — also schwerer, nicht leichter. Eine Wand, die sich auch positiv neigen lässt, geht den anderen Weg: Sie nimmt Last von den Armen. Dazu kann eine Entlastung von oben kommen. In der KIRINUS-Praxis in Bruckmühl hängt der Patient bei den ersten Kletter- und Aufstiegsversuchen in einem Gewichtsentlastungssystem, und die Hände des Therapeuten bleiben frei.23
Noch einen Schritt weiter geht eine Klinik, die mit PhysioClimb-Wänden arbeitet: Dort klettern sogar Rollstuhlfahrer, an Stahlschienen unter der Decke.
Am ZfP Südwürttemberg, wo therapeutisches Klettern seit 2009 in der Psychiatrie eingesetzt wird, beschreibt Anton Schmid die Erfahrung so: „Auch Patient:innen mit motorischen und körperlichen Einschränkungen und (höhen)ängstliche Patient:innen konnten positive Erfahrungen an der Kletterwand sammeln."11
Wer vor einem Unfall sportlich war, verliert nicht nur Funktion. Er verliert eine Beschreibung von sich selbst, und die kommt über Geräteübungen selten zurück. Der querschnittgelähmte US-Veteran und Kletterer Rand Abbott hat es so beschrieben: Es gehe nicht darum, der gelähmte Kletterer zu sein — sondern Kletterer.24
Bleibt die Gegenfrage: für wen es nicht passt.
Wann es nicht passt — drei Listen, kein Konsens
Es gibt keine anerkannte Kontraindikationsliste für das therapeutische Klettern. Es gibt mehrere; drei davon stellen wir hier nebeneinander, und sie widersprechen sich.
Die erste steht im Praxisbuch und ist ausdrücklich „angelehnt an die allgemeine Sporttherapie", nicht aus Kletterstudien abgeleitet: frische Frakturen, Osteoporose, eine Knochendichte unter 80 Prozent des Altersdurchschnitts, schwere akute rheumatische Erkrankungen.9
Die zweite stammt aus der MS-Arbeit von Kern: akute Entzündungen, schwere Herzleiden, nicht abgeklärte Erkrankungen, fortgeschrittene Osteoporose, schwere Adipositas, akute Tumorerkrankungen — die „red flags" aus therapeutischer Sicht.2
Die dritte ist streng genommen gar keine Kontraindikationsliste, sondern die Ausschlusskriterien einer Studie in der Akutgeriatrie: akute Infektion oder Fieber, akutes Koronarsyndrom, Herzinsuffizienz NYHA III oder IV, Zustand nach Thorakotomie vor weniger als sechs Wochen, aktuelle Fraktur, Epilepsie, dementielle Erkrankung.1 Der Unterschied ist wichtig: Wer in einem Forschungsdesign ausgeschlossen wird, ist nicht dasselbe wie jemand, der nicht klettern darf. Epilepsie steht in keiner der beiden anderen Listen.
Am deutlichsten wird der Dissens bei der Osteoporose. Das Praxisbuch führt sie pauschal als absolute Kontraindikation. Kern nennt nur die fortgeschrittene Form. Eine ältere Übersicht führt sie als relative Einschränkung mit Handlungsregel — „keine Verdrehungen, Scherkräfte gering halten" — und nennt Osteoporotiker an anderer Stelle unter den Klientelen mit guten Erfahrungen.8 Eine Rehaklinik führt Osteoporose sogar als Indikation.
Diese Differenz lässt sich nicht auflösen. Sie ist der Stand des Feldes.
Die Grenzwerte, die es gibt:
- 150 kg maximales Benutzergewicht — eine Gerätegrenze aus der TÜV-Zeichengenehmigung, keine medizinische.16
- Knochendichte unter 80 Prozent des Altersdurchschnitts9
- NYHA III oder IV bei Herzinsuffizienz1
- MMST unter 19 Punkten — und die Begründung dort ist nicht die Bewegung, sondern die fehlende Einwilligungsfähigkeit1
Was auf keiner der drei Listen steht, aber die brauchbarste Regel des ganzen Kapitels ist: die Abbruchzeichen während der Einheit.
„Fängt der Patient an zu zittern, muss die Übung sofort unterbrochen werden. Genauso ist das Anheben der Ellenbogen — die Ellbogen sind nahezu auf Schulterhöhe und zeigen von der Wand weg – ein typisches Überlastungszeichen."Praxisbuch9
Dazu eine Voraussetzung, die vor der Wand erfüllt sein muss und die man leicht übersieht: „Die Beckensteuerung ist Voraussetzung für jede Therapiebewegung. Der Patient muss in der Lage sein, durch eine Beckenbewegung eine funktionelle Lendenlordose einzustellen und sie zu fixieren. Dies muss bereits vor der Klettertherapie geübt werden."9 Bei drei Listen, die sich widersprechen, entscheidet nicht die Liste. Sie entscheiden — Sie klären vorher ab, was sich abklären lässt, und sehen den Rest in der Einheit.
Wer weiß, für wen es passt, will als Nächstes wissen, wie eine Einheit tatsächlich abläuft.
Wie eine Einheit abläuft — ein ganz normaler Dienstagvormittag
Stellen Sie sich einen ganz normalen Dienstagvormittag vor. Der Patient kommt herein, Sie haben die Boulder schon geschraubt, die Wand steht auf der Neigung, die Sie letzte Woche notiert haben.
Was jetzt passiert, sind vielleicht zwanzig Minuten — und das meiste davon ist Begleiten, nicht Anleiten.
Die eigentliche Therapieplanung passiert beim Schrauben
Die Therapieplanung findet statt, bevor der Patient den Raum betritt — beim Schrauben.
- Sie zerlegen die Zielbewegung in Vierecke und Dreiecke.
- Sie setzen Griffe und Tritte genau dort, wo sie die gewünschte Bewegung nahelegen.
- Über das aufgedruckte Raster schrauben Sie jeden Therapieboulder exakt nach — die Positionen stehen im Praxisbuch, Übung für Übung, mit Reha-Phase und Neigung. 9
- Sie stellen die Neigung ein und beginnen auf den untersten Trittreihen.
- Sie dosieren live über Haltezeit, Neigung und Abstände — und dokumentieren beides.
Der zweite Schritt ist der ungewohnte. An jedem anderen Gerät sagen Sie dem Patienten, welche Bewegung er machen soll. Hier bauen Sie die Bewegung so, dass die gewünschte die naheliegende ist.
Ein Beispiel für den Aufbau über mehrere Wochen liefert das MS-Programm aus der Kern-Studie: Einheit 1 Material und Sicherheit, Einheiten 2–5 Individualisierung und Hilfsmittel, 6–10 Gleichgewicht, 11–15 Koordination, 16–20 Kraft. 2
Wie das konkret aussieht, zeigen drei Übungen aus der Literatur.
Drei Übungen — keine sieht nach Klettern aus
Keine davon sieht nach Klettern aus. 8
- Beckenmobilisation als Automobilisation der Wirbelsäule. Der Patient steht mit vier Kontaktpunkten an der Wand und koppelt die Beckenbewegung an die Atmung: Einatmung in die Extension, Ausatmung in die Flexion, den Fingerdruck dabei möglichst gering. Kein Zug, keine Höhe — reine Mobilisation.
- Kräftigung der Schulterblatt-Ad- und -Abduktoren. Der Körper bewegt sich nach vorn und hinten und bleibt dabei stabil; gearbeitet wird nur „aus den Schultergelenken heraus".
- Die Reibungsplatte. Eine schräge, raue Wand ohne Griffe, an der man vorwärts und rückwärts geht — nur über Reibung. Die Diplomarbeit nennt sie auch als Vorbereitung aufs Treppensteigen; mit verbundenen Augen wird daraus eine Sensibilisierungsübung.
Bei der ersten Übung wird nicht einmal geklettert — der Patient steht an der Wand und atmet. Sie ist trotzdem eine Kletterübung, weil die vier Kontaktpunkte die Position halten, die man sonst mit Bank und Lagerungskissen herstellen müsste.
Wie oft das wiederholt werden muss, bis sich etwas zeigt, hängt vom Ziel ab.
Fünf Einheiten oder zwanzig — beides stimmt
Fünf Einheiten in der Geriatrie, zwanzig bei Multipler Sklerose. Beides stimmt.
Die Studien geben auf die Frage nach der Dauer verschiedene Antworten, und die Unterschiede sind die eigentliche Information:
- Geriatrie: fünf Einheiten à 30 Minuten. Danach waren Timed-Up-and-Go, Tinetti-Test und Barthel-Index in der Klettergruppe signifikant besser als in der Kontrollgruppe mit konventioneller Physiotherapie.1
- Depression: zehn Sitzungen à zwei Stunden über zehn Wochen. MADRS-Rückgang 8,4 Punkte gegenüber 3,0 im reinen Bewegungsprogramm.3
- Multiple Sklerose: zwanzig Einheiten à zwei Stunden über sechs Monate, eine pro Woche, mindestens achtzehn Pflichttermine. Die Fatigue sank im Median von 36 auf 17,5 Punkte.2
Es sind verschiedene Zielgrößen, und die Studien waren unterschiedlich lang; wann ein Effekt einsetzt, hat keine davon untersucht. Wer eine Serie plant, plant nach der Zielgröße, nicht nach dem Verfahren.
Für den Aufbau ist die MS-Studie am nützlichsten, weil sie den Aufbau über zwanzig Einheiten Block für Block dokumentiert. Einheit 1: Material, Sicherheit, Partnercheck. 2 bis 5: Individualisierung und Hilfsmittel. 6 bis 10: Gleichgewicht. 11 bis 15: Koordination. 16 bis 20: Kraft.2
Kraft steht am Schluss, nicht am Anfang. Erst wenn Gleichgewicht und Koordination stehen, wird belastet — dieselbe Reihenfolge, die auch das Phasenmodell der Trainingstherapie vorsieht.
Welche Übung in welche Reha-Phase gehört, steht im Praxisbuch bei jeder Übung dabei, zusammen mit der Neigung.
Was in diesen Einheiten von Ihnen verlangt wird, ist weniger, als die meisten erwarten.
Näher als an jedem Gerät — bis Sie die Hand wegnehmen können
Nah dran. Näher als an jedem Gerät.
Sie stehen neben dem Patienten, spotten von Hand, geben knappe Ansagen — „rechter Fuß einen Tritt tiefer, Gewicht verlagern, jetzt die linke Hand" — und sehen an den Schulterblättern, ob die richtige Kette arbeitet.
Und dann kommt der Moment, auf den es hinausläuft: Sie merken, dass er den Zug allein trägt. Sie nehmen die Hand weg, und es passiert nichts. Genau das ist das Ziel — die Hand geht weg, weil sie nicht mehr gebraucht wird.
pt_Fachvideo: Therapeutisches Klettern
Ein Fachvideo der pt — Zeitschrift für Physiotherapeuten, das die Arbeit an der Wand zeigt.
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Therapeutisches Klettern: Kraft, Balance und Selbstvertrauen stärken
Ein Beitrag der Schön Klinik Roseneck über den Einsatz in der eigenen Einrichtung.
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Für das, was Sie dabei sagen, gilt dasselbe wie für die Hand.
Erklären, korrigieren — und schweigen, sobald es läuft
An der Wand kann Ihre Erklärung die Übung kaputt machen.
Der Grund steht in der Wirkmechanik. Wer den nächsten Griff sucht, denkt nicht über den Schmerz nach — die Aufmerksamkeit ist außen, und die Bewegung passiert nebenbei. Das ist nicht der angenehme Nebeneffekt, das ist der Wirkmechanismus. Wer in diesen Moment hineinredet, holt die Aufmerksamkeit zurück nach innen.
Drei Regeln ergeben sich daraus:
Vor dem Zug erklären, nicht währenddessen. Die Aufgabe steht, bevor die Hände am Griff sind: welcher Griff, welcher Fuß, wie weit. Danach ist Ruhe. Wer erst korrigiert, wenn jemand schon hängt, zwingt ihn, zwei Dinge gleichzeitig zu tun.
Über den Aufbau korrigieren, nicht über die Ansage. Wenn ein Zug nicht funktioniert, ist meistens der Griff falsch gesetzt und nicht die Bewegung falsch ausgeführt. Ein umgesetzter Griff korrigiert wortlos — und über das aufgedruckte Raster bleibt die Änderung reproduzierbar und dokumentierbar.
Nichts sagen, wenn es läuft. Das ist das Schwierigste. Eine Bewegung, die gelingt, braucht keine Bestätigung; Lob unterbricht sie so sicher wie eine Korrektur. Die Rückmeldung kommt danach.
Dasselbe gilt körperlich. Die Hand liegt an den Schulterblättern, solange sie gebraucht wird — und geht weg, sobald sie nicht mehr gebraucht wird. In den meisten Therapien zeigt sich Ihre Arbeit daran, was Sie tun. Hier daran, was Sie lassen.
Bei einem Patienten, der Angst hat, wird aus dieser Zurückhaltung eine Methode.
Wenn jemand sich nicht traut — und warum das fast nie das Ende ist
Ein Patient, der Angst vor der Wand hat, ist kein Sonderfall. In der ersten Einheit kommt er häufig vor.
Das ist etwas anderes als die Angststörung, bei der die Wand das Therapiemittel ist. Hier geht es um jemanden, der wegen einer Schulter kommt und dem die Situation unangenehm ist — die Höhe, das Ungewohnte, das Gefühl, sich vor jemandem zu blamieren.
Was hilft, ist dasselbe, was den Wirkmechanismus ausmacht: Der Patient bestimmt selbst, wie weit er geht. Zwei Griffe höher — oder eben nicht. Und er kann jederzeit aufhören, ohne einen Rückweg klettern zu müssen. Bei Absprunghöhe ist das Aufhören ein Schritt nach hinten, kein Manöver.
Vier Dinge, die sich bewährt haben:
- Flacher stellen, als nötig wäre. Die positive Neigung nimmt nicht nur Last von den Armen, sie nimmt auch die Höhenwirkung. An einer leicht nach hinten geneigten Wand fühlt sich der erste Zug weniger nach Klettern an.
- Auf der untersten Trittreihe bleiben, bis er selbst höher will. Nicht bis Sie finden, dass er so weit ist.
- Keinen Druck aufbauen. In der Literatur steht dazu ein Satz, der knapp und eindeutig ist: Bei zu großer Unsicherheit oder Angst „sollte kein Druck auf die Patienten ausgeübt werden". 8
- Die Alternative offen lassen. Wem Körperkontakt beim Spotten unangenehm ist, für den ist die leicht positiv geneigte Wand mit niedrigen Tritten die bessere Wahl.
Ein Patient, der aufhören darf, wann er will, hört fast nie auf.
Bleibt die Frage, die vor allem anderen steht: Was, wenn doch jemand fällt?
Was, wenn jemand fällt — und wie nah man dabei kommen muss
Bevor man sich jemanden an der eigenen Wand vorstellen kann, muss eine Frage weg: Was, wenn jemand fällt?
Die zweite Frage stellt sich erst später, ist aber die heiklere — wie man mit der Nähe umgeht, die beim Sichern entsteht.
Ein Sturz kündigt sich an
Nach dem Potsdamer Modell arbeiten Sie ohne Seil, in Absprunghöhe, über einer Fallschutzmatte.9 Die Sicherheit entsteht vor allem aus dem, was Sie sehen.
Ein Sturz kündigt sich meist an:
- Der Patient fängt an zu zittern.
- Die Ellenbogen heben sich auf Schulterhöhe und zeigen von der Wand weg.
- Kurz davor kommt oft noch ein Aufschrei.
Wer diese Signale kennt, unterbricht die Übung, bevor etwas passiert.
Deshalb beginnen die ersten Einheiten in positiver Neigung, auf den untersten zwei Trittreihen, mit Körperkontakt gespottet — und gehen erst Schritt für Schritt zum freien Therapieklettern über.
Der zweite Teil der Sicherheit hat mit Stürzen nichts zu tun.
Berührung — angekündigt und mit Einverständnis
Beim Spotten liegt Ihre Hand am Becken, am Rücken, an den Schulterblättern. Das ist fachlich notwendig — und zugleich eine Nähe, die ungewohnt sein kann.
Mehr als bei den meisten anderen Übungen, weil sie in einer Situation stattfindet, in der der Patient sich ohnehin unsicher fühlt.
Was sich dafür bewährt hat, ist unspektakulär und sollte trotzdem Routine sein:
- Vorher ansagen, was Sie tun werden — „ich lege gleich die Hand ans Becken, damit Sie den Schwerpunkt spüren" — und nicht erst währenddessen.
- Erklären, wozu die Berührung dient. Ein Handgriff, dessen Zweck man kennt, fühlt sich anders an als einer, der einfach passiert.
- So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Sobald der Patient die Bewegung trägt, geht die Hand weg.
- Eine Alternative anbieten. Wem Körperkontakt unangenehm ist, dem hilft oft schon die leicht positiv geneigte Wand mit niedrigen Tritten.
- Nein akzeptieren, ohne Nachfrage. Gerade bei Patienten mit Gewalt- oder Traumaerfahrung und in der Arbeit mit Kindern.
Das klingt selbstverständlich, ist es im Alltag aber nicht. Hier zeigt sich, ob an der Wand therapeutisch gearbeitet wird oder nur geklettert.
Beides — die Signale und der Umgang mit Nähe — lernt man nicht aus einem Text.
Was Sie können müssen — und was Sie sich sparen können
Das Verfahren ist beschrieben, die Übungen sind dokumentiert, die Dosierung ist durchgerechnet. Was daraus in Ihrer Praxis wird, hängt an zwei Dingen: was Sie gelernt haben und wo Sie nachschlagen können.
Ein bis zwei Tage, in denen Sie selbst klettern
Das Verfahren lässt sich nachlesen. Das Anleiten nicht.
Zwei Formate haben sich etabliert:
- Inhouse, 1 Tag / 8 Unterrichtseinheiten — im eigenen Haus, mit dem ganzen Team, an der eigenen Wand.
- Fortbildungszentrum, 2 Tage / 16 Unterrichtseinheiten — bei Top Physio in Düsseldorf, Frankfurt und Berlin sowie beim MFZ in Hannover und Leipzig. Auch ohne eigene Wand.
Bis zu 12 Teilnehmer, für Physio-, Ergo- und Sporttherapeuten. Enthalten sind die Inhalte für das §-20-Präventionszertifikat und die Einweisung ins Medizinprodukt.
In beiden Formaten klettern Sie selbst. Das ist kein Rahmenprogramm — es ist der Grund, warum es Präsenzunterricht sein muss. Wer einmal auf der untersten Trittreihe stand und gemerkt hat, wie viel eine Hand am Rücken ausmacht, dosiert danach anders.
Und Sie wissen danach etwas, das Sie vorher nicht wissen konnten: ob diese Art zu arbeiten zu Ihnen passt. Das ist eine Frage, auf die auch ein Nein eine brauchbare Antwort ist — und die deutlich billiger zu beantworten ist als mit einer Wand im Raum.
Was Sie dabei mit den Händen lernen, lässt sich danach nachschlagen.
Kein Gesetz verlangt eine Fortbildung
Kein Gesetz schreibt eine Kletterfortbildung vor. An drei Stellen kommen Sie trotzdem nicht daran vorbei.
Gesucht wurde in der Medizinprodukte-Betreiberverordnung, in den Berufsordnungen, bei den Kassen und den Verbänden. Es gibt keine Norm, die für die Arbeit an einer Therapiekletterwand eine kletterspezifische Zusatzqualifikation verlangt.
Die erste Stelle steht nicht im Gesetz, sondern in der TÜV-Zeichengenehmigung der Wand.
Die TÜV-Zeichengenehmigung für Med Eco und Multifit Eco nennt unter „Anwendungsbereich" ausdrücklich: „Benutzung nur unter Aufsicht eines qualifizierten Trainers."16 Dazu kommt § 4 Absatz 1 der Medizinprodukte-Betreiberverordnung: Produkte dürfen nur ihrer Zweckbestimmung entsprechend betrieben und benutzt werden.17 Die konkreteste Anforderung an Ihre Qualifikation steht also in den Unterlagen zur Wand.
Die zweite Stelle ist dieselbe Verordnung, ein Absatz weiter.
„Produkte dürfen nur von Personen betrieben oder benutzt werden, die die dafür erforderliche Ausbildung oder Kenntnis und Erfahrung besitzen." — § 4 Abs. 2 MPBetreibV „Eine Einweisung in die ordnungsgemäße Handhabung des Produktes ist erforderlich."§ 4 Abs. 317
Was hier nicht gilt, ist genauso wichtig: Die strenge Kette für Anlage-1-Produkte — Funktionsprüfung am Betriebsort und Einweisung durch den Hersteller oder eine von ihm befugte Person, Eintrag ins Medizinproduktebuch — betrifft aktive Produkte wie Defibrillatoren oder Beatmungsgeräte. Eine Kletterwand ist passiv und steht in keiner dieser Kategorien.17
Die dritte Stelle ist das Haftungsrecht, und sie ist die unangenehmste.
Nach § 630a Absatz 2 BGB hat eine Behandlung nach den zum Zeitpunkt der Behandlung bestehenden, „allgemein anerkannten fachlichen Standards" zu erfolgen.18 Ein Urteil oder eine dokumentierte Haftungsentscheidung zum therapeutischen Klettern ist uns nicht bekannt — und damit auch kein gerichtlich festgestellter Standard. Was es gibt, ist die Frage, wie Sie im Schadensfall belegen, dass Sie einen kannten.
Zwei Sonderfälle, die häufig verwechselt werden:
- Präventionskurse nach § 20 SGB V verlangen zweierlei: eine Grundqualifikation und eine Zusatzqualifikation. Die Zusatzqualifikation kann die fehlende Grundqualifikation nicht ersetzen. Im Handlungsfeld Bewegungsgewohnheiten müssen die fachpraktischen Kompetenzen im Präsenzunterricht erworben werden.19
- Krankengymnastik am Gerät ist ein eigener Zulassungstatbestand mit eigener Geräteausstattung und eigenem Fortbildungsnachweis. Das hat mit dem Klettern nichts zu tun, wird aber oft in einem Atemzug genannt.
Die Frage ist nicht, was Sie dürfen. Die Frage ist, was Sie im Ernstfall belegen können.
Was in einer Fortbildung mit den Händen gelernt wird, lässt sich danach nachschlagen.
Sie müssen nichts auswendig können — das Raster merkt es sich
Das Praxisbuch von Dr. René Kittel führt jede Übung einzeln auf: Wirbelsäule, Schulter, Knie, Sprunggelenk — jeweils mit Reha-Phase, Neigung und den exakten Griff- und Trittpositionen. 9
Damit lässt sich eine Übung, die in der Fortbildung einmal gezeigt wurde, Monate später identisch aufbauen. Über das Raster stimmt jede Position, ohne dass man sich erinnern muss.
Kittel ist außerdem Mitautor des Standardwerks „Therapeutisches Klettern", das 2008 bei Thieme erschienen ist.
Das Praxisbuch ist nicht Teil der Fortbildung — es wird separat angeschafft.
Bleibt das dritte der drei Dinge: das Gerät selbst.
Das Gerät — und ob Ihre Wand es trägt
Erst jetzt kommt das Gerät — und zwar in dieser Reihenfolge, weil es das dritte der drei Dinge ist und nicht das erste.
Drei Fragen entscheiden, ob es bei Ihnen geht: was da eigentlich steht, ob Ihre Wand es trägt, und wie viel Platz davor frei bleiben muss.
Kein Stück Kletterhalle — eher ein Schrank mit Griffen
Eine Therapie-Kletterwand ist kein Stück Kletterhalle.
Sie ist ein Gerät, das an eine vorhandene Wand kommt. Ein Modul ist 1,25 oder 1,50 Meter breit, also etwa so breit wie ein großer Schrank — und braucht keine Höhe im Sinne einer Halle. Gearbeitet wird in Absprunghöhe, also so tief, dass man jederzeit einfach absteigen kann.
Drei Dinge daran sind wichtig:
- Die Griffe. Groß, ergonomisch geformt und in mehreren Farben — nicht die kleinen, scharfkantigen Sportgriffe. Sie werden geschraubt, nicht geklebt, und lassen sich jederzeit umsetzen.
- Die Neigung. Bei einer verstellbaren Wand legen Sie einen Hebel um, ähnlich einem Schnellspanner beim Mountainbike — und die Wand steht anders. Positiv geneigt, senkrecht oder überhängend, jeweils bis 15 Grad, in Sekunden.
- Das aufgedruckte Raster. Ein Koordinatensystem auf der Fläche, mit dem sich jede Griffposition benennen und wiederfinden lässt. Der Lochabstand liegt bei 14 × 14 cm16 — etwas enger als die verbreiteten Raster von 15 oder 20 cm, damit sich möglichst viele Anschraubpunkte ergeben. Damit wird aus einer Anordnung eine dokumentierte Übung.
Die meisten Wände entstehen fürs Klettern und werden später für die Therapie umgebaut. Bei den PhysioClimb-Systemen war es umgekehrt — am Anfang stand eine therapeutische Frage, keine Kletteridee. Das erklärt die drei Punkte oben: Ein Sportgriff müsste nicht flächig sein, eine Sportwand bräuchte kein Koordinatensystem.
Bleibt die Frage, ob das an Ihre Wand passt.
Wenn die Rückwand nicht trägt — es geht trotzdem
Die häufigste Sorge ist die Wand dahinter. Sie ist die einzige, die sich immer lösen lässt.
Der Hersteller beschreibt drei Stufen, und die dritte braucht überhaupt keine tragfähige Wand mehr:
- Die Rückwand trägt — dann wird direkt daran befestigt.
- Die Rückwand trägt nicht — dann wird über Decke und/oder Boden abgestützt, mit einer angepassten Unterkonstruktion.
- Boden und Decke tragen auch nicht — dann steht die Wand an einem Einzel- oder Doppelständer frei im Raum. Auch im Freien.
An eine Trockenbauwand kann direkt nicht befestigt werden. Für Praxen mit Leichtbauwänden ist Stufe 2 oder 3 der Normalfall, nicht die Ausnahme.
Was Sie vorher klären müssen, ist knapp aufzuzählen:
- Raumhöhe. Das Einbaumaß beträgt 259 cm für die verstellbaren Modelle, 252 cm für die fest montierte Standard Eco. Sondermaße sind möglich.
- Der Niedersprungbereich. Er muss hindernisfrei sein und sollte mindestens zwei Meter nach hinten und zur Seite reichen. Von einer Montage „in stark frequentierten Räumen bzw. Fluren sowie in engen Verkehrs- und Aufenthaltsräumen" rät der Hersteller ausdrücklich ab.20
- Der Untergrund darunter. Ist er nicht dämpfend, gilt eine maximale Tritthöhe von 60 cm; darüber gehört ein stoßdämpfender Boden oder eine Fallschutzmatte hin. Das Praxisbuch empfiehlt die Matte unabhängig von jeder Verordnung.
Wer montiert: Zur Wahl stehen eine Ein-Mann-Montage, bei der Sie beim Hineintragen und Aufstellen kurz mithelfen, und eine Zwei-Mann-Montage ganz ohne Ihre Mithilfe, jeweils für eine, zwei oder drei Wände. Bei den Medizinprodukt-Modellen Med Eco und Multifit Eco montiert PhysioClimb selbst; das gehört zur Dokumentation und zur Garantie. Bei den übrigen Modellen ist die Montage optional zubuchbar.
Was nach der Montage bleibt, ist eine laufende Pflicht und wird gern übersehen: alle sechs Monate eine Sichtprüfung durch den Betreiber auf Risse, Abplatzungen und festen Sitz; beschädigte Griffe werden ausgetauscht, nicht repariert. Und vor jeder Therapieeinheit die Befestigungsschrauben prüfen — lockere Griffe verdrehen sich unter Last.920
Bleibt die Frage, wie viel Raum das am Ende kostet.
Weniger Platz, als die meisten annehmen
Nicht die Fläche ist das Problem, sondern die Höhe.
Therapiewände sind modular aufgebaut — übliche Anlagen sind drei bis fünf Meter breit, aber es geht auch kleiner: Ein einzelnes Modul ist 1,25 oder 1,50 Meter breit. Das Einbaumaß liegt bei rund 259 cm. Reicht die Höhe nicht, wird auf Wunschmaß gefertigt — ohne Aufpreis.
Der Platz, den viele vergessen, liegt nicht an der Wand, sondern davor. Der Niedersprungbereich muss hindernisfrei sein und sollte mindestens zwei Meter nach hinten und zur Seite reichen. In den Praxen, in denen solche Wände stehen, scheitert es fast nie an der Wandfläche — sondern an der Liege, die zwei Meter davor steht.
Bleibt ein Blick auf das, was größere Häuser zusätzlich bauen.
Was Kliniken zusätzlich bauen — und warum Sie es nicht brauchen
Bis hierhin ging es um das Bouldern in Absprunghöhe — die Form, die in einer Praxis am häufigsten sinnvoll ist.
An größeren Anlagen kommen weitere Spielarten dazu: Toprope-Klettern mit Seil, Vorstieg, Kletterspiele in der Gruppe, gezielte Ablass- und Fallübungen sowie das Üben der Sicherungstechnik selbst. 11
Gerade die Fallübungen sind in der Psychosomatik ein eigenes therapeutisches Mittel: Wer kontrolliert loslassen übt, arbeitet unmittelbar an der Kontrollverlustangst.
Für eine Praxis ist das meist zu viel — aber es erklärt, warum Kliniken andere Anlagen bauen als Praxen.
Was es kostet — an Platz, an Zeit und an Geld
Damit aus der Vorstellung eine Entscheidung wird, muss sie durch drei Fragen, die selten therapeutische sind: Was kostet es, was kostet es an Zeit, und bekommt man es bezahlt.
Eine Einheit dauert so lange wie jede andere
Die Frage ist nicht, wie lange eine Einheit dauert. Sie ist, was zusätzlich dazukommt.
Die Antwort: das Umschrauben der Boulder. Mit dem Raster und den Vorlagen aus dem Praxisbuch sind das pro Übung wenige Minuten — und sie fallen vor der Einheit an, nicht während.
Damit ist die Wand eines der wenigen Geräte, deren Vorbereitung Sie in den Randzeiten erledigen und deren Behandlungszeit sich nicht von einer normalen Einheit unterscheidet.
Bleibt die Zahl, um die es am Ende geht.
2.499 bis 4.999 Euro
Je nach Modell kostet ein Modul zwischen 2.499 Euro (Standard Eco) und 4.999 Euro (Multifit Eco). Dazu kommen der Versand und je nach Modell die Montage. Ratenzahlung ist auf Anfrage möglich.
Welches Modell in Ihre Räume passt und was es konkret kostet, zeigt der Konfigurator in drei Schritten — ohne Konto und ohne Newsletter.
Verglichen wird das meist mit einem Gerät. Der Vergleich, der näher liegt, ist ein anderer: Ein Seilzug bedient eine Bewegungsrichtung, eine Wand bedient die meisten der oben beschriebenen Felder, vom Kind bis zur Hochbetagten. Das rechtfertigt den Preis nicht automatisch — aber es macht den Vergleich mit einem Einzelgerät zum falschen Maßstab.
Ob sich das abrechnen lässt, hängt an etwas anderem als am Preis.
Welche Therapie-Kletterwand passt zu Ihnen?
In drei Schritten sehen Sie Ihr Modell und ob es bei Ihnen passt. Kein Konto, kein Newsletter — einfach ausprobieren.
Wofür brauchen Sie die Therapie-Kletterwand?
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Passt das bei Ihnen?
Abrechnen lässt sich nur, was dokumentiert ist
Der Unterschied zwischen einer Therapieeinheit und einer netten halben Stunde entsteht in der Dokumentation.
Über Haltezeit und Neigung wird die Belastung dokumentierbar; Verlauf und Progression lassen sich abbilden. Das aufgedruckte Raster macht jede Griffposition benennbar — damit ist auch die Übung selbst reproduzierbar hinterlegt.
Für die Therapie nach Verordnung sind Med Eco und Multifit Eco vorgesehen, beide Medizinprodukte nach MDR. Für §-20-Kurse und die Privatpraxis reicht ein Trainingsmodell. Was Sie nicht aufschreiben können, können Sie auch nicht begründen — und was Sie nicht begründen können, ist keine Therapie.
Wie Sie es begründen, wenn jemand nachfragt, ist die nächste Frage.
Was die Kasse fragt — und warum die Antwort kürzer ist als gedacht
Therapeutisches Klettern ist keine eigene Heilmittelposition. Es ist die Ausführungsform innerhalb einer verordneten Behandlung.
Das klingt nach einer Einschränkung und ist eine Erleichterung. Abgerechnet wird die Physio- oder Ergotherapie, die ohnehin verordnet ist — das Klettern ist das Mittel, mit dem sie stattfindet. Sie brauchen keine neue Position, keinen neuen Vertrag und keine Genehmigung für das Verfahren als solches.
Was in der Dokumentation stehen muss, ist deshalb dasselbe wie bei jeder anderen Übung: Indikation, Therapieziel, Dosierung, Verlauf. Das aufgedruckte Raster hilft hier praktisch, weil sich jede Griffposition benennen und wiederfinden lässt.
Zwei Wege, und sie unterscheiden sich grundlegend:
- Über die ärztliche Verordnung. Abgerechnet wird die verordnete Physio- oder Ergotherapie zum üblichen Satz; die Wand ist das Mittel, mit dem Sie sie erbringen.
- Über die Prävention nach § 20 SGB V. Zertifizierte Kurse zu Rückengesundheit, Gleichgewicht, Sturzprophylaxe. Kein Medizinprodukt nötig, ein Trainingsmodell genügt. Für Privatpraxis und Selbstzahler der einfachere Einstieg.
Wenn die Rückfrage kommt, ist die brauchbarste Antwort keine Erklärung, was Klettertherapie ist, sondern eine Studie zu der Indikation, um die es geht. Für die Geriatrie: 95 Patienten der Akutgeriatrie, Durchschnittsalter 81 Jahre, Barthel-Index nach fünf Einheiten um 11,4 Punkte gestiegen gegenüber 9,0 unter konventioneller Physiotherapie. Für die Depression: eine multizentrische randomisierte Studie, MADRS-Rückgang 8,4 gegenüber 3,0 Punkten. Für MS: Fatigue-Median von 36 auf 17,5 nach zwanzig Einheiten.
Und was dazugehört, weil es sonst jemand anders findet: Das systematische Review von 2011 bewertet die Evidenzlage insgesamt als kleine Studien mit hohem Verzerrungsrisiko. Wer die Schwäche der eigenen Belege selbst nennt, wird über die Stärke nicht mehr befragt.
Zwei Entwicklungen der letzten Jahre kommen Ihnen dabei entgegen.
Zwei Änderungen, die Ihnen entgegenkommen
Zwei Regeländerungen der letzten zwei Jahre kommen dieser Art von Behandlung entgegen — die eine in Praxen, die andere in Reha-Einrichtungen.
- Blankoverordnung. Seit November 2024 können Physiotherapeuten bei bestimmten Schulterdiagnosen Art, Umfang und Frequenz der Behandlung selbst bestimmen. Das schafft Spielraum für aktive Trainingsserien.21
- Neues DRV-Vergütungssystem ab 2026. Für stationäre und ganztägig ambulante Reha-Einrichtungen gilt seit Januar 2026 ein neues Vergütungssystem; über die einrichtungsspezifische Komponente lassen sich besondere Behandlungskonzepte melden.22
Beide belohnen dasselbe: dass Sie selbst entscheiden und es begründen können. Genau das war bisher der Aufwand an diesem Verfahren — und ist jetzt der Vorteil.
Beides sind Rahmenbedingungen, die sich ändern können. Prüfen Sie den aktuellen Stand für Ihre Situation — dieser Artikel ersetzt keine Abrechnungsberatung.
Zurück zu dem Patienten vom Anfang
Am Anfang stand ein Patient, der von selbst hochgreift. Inzwischen wissen Sie, warum er das tut — die Aufmerksamkeit ist außen, die Bewegung passiert nebenbei —, für wen es geht, wie eine Einheit abläuft und was dafür im Raum stehen muss.
Das ist der eigentliche Unterschied zu einem weiteren Gerät. Sie müssen niemanden überreden. Sie sagen „Wollen Sie das mal probieren?" — und meistens will der Patient. Beide wollen, keiner muss. Was danach passiert, ist Therapie mit allem, was dazugehört: indiziert, dosiert, dokumentiert. Es fühlt sich nur nicht so an. Ein Patient, der nach der dritten Einheit nicht wiederkommt, ist selten unmotiviert. Er hat nur nichts gefunden, worauf er sich freut.
Zwischen dem, was in Studien wirkt, und dem, was in Praxen ankommt, liegen oft viele Jahre. Der Berufsverband IFK nennt das therapeutische Klettern eine sinnvolle Ergänzung — und stellt in derselben Mitteilung fest, dass es in Deutschland bisher nur selten zum Einsatz kommt. Die Geriatrie-Studie ist von 2010.
Ein Verfahren setzt sich nicht durch, weil es wirkt. Es setzt sich durch, wenn es in vorhandene Räume passt, in vorhandene Zeittakte, und wenn genug Therapeuten es einmal mit den eigenen Händen ausprobiert haben. Deshalb steht in diesem Text so viel über Raumhöhen, Montage und Abrechnung.
Und was dabei entsteht, ist mehr als eine weitere Behandlungsoption. Es sind Patienten, die sonst nach der dritten Einheit abbrechen und wiederkommen. Es ist die Gruppe, die bei diesem Thema selten im Mittelpunkt steht — nach Polytrauma, im Rollstuhl, mit mehreren Wirbelkörperbrüchen —, die überhaupt erst teilnehmen kann.
Was dabei nebenbei geprüft wird, betrifft die Bewegungstherapie insgesamt: ob Therapieabbrüche wirklich am Willen der Patienten liegen — oder daran, was ihnen angeboten wird. Jedes Verfahren, bei dem Menschen freiwillig weitermachen, ist auch eine Antwort auf diese Frage.
Ob daraus etwas wird, entscheidet sich nicht bei einem Hersteller. Es entscheidet sich in den Praxen.
Viele Therapeuten, die sich dafür entscheiden, klettern selbst. Dabei bleibt aber auch, wer das nicht tut — weil eine Einheit, auf die sich der Patient freut, dem leichter fällt, der sie anleitet.
Ihre eigene Liste
Für wie viele Ihrer Patienten käme das in Frage?
Gehen Sie Ihre laufenden Fälle durch und tragen Sie ein, wie viele auf die Felder entfallen. Sie bekommen ein PDF mit Ihren Zahlen, den passenden Studien und den Angaben zu Abrechnung und Platzbedarf — zum Ausdrucken oder Weiterreichen.
Häufige Fragen
Was ist therapeutisches Klettern?
Eine Therapieform, die die Kletter- oder Boulderwand als dosierbares Therapiemittel nutzt — nicht als Sport. Angewandt in Physio-, Ergo- und Sporttherapie sowie in der Psychotherapie, über die geschlossene Kette und mit steuerbarer Belastung. Voraussetzung sind ein Behandlungskonzept, eine Diagnostik und eine entsprechende Ausbildung.
Ab wann nach einer Operation kann an der Wand gearbeitet werden?
Nicht in Wochen gerechnet, sondern in Reha-Phasen. Von den 32 Übungen des Praxisbuchs ist eine für Phase 1 ausgewiesen, vierundzwanzig beginnen in Phase 2 — also dort, wo ohnehin Funktionsbewegungen angebahnt werden. Der Zeitpunkt selbst richtet sich nach der postoperativen Vorgabe.
Wann ist therapeutisches Klettern nicht geeignet?
Eine einheitliche Liste gibt es nicht. Drei Fachquellen nennen unter anderem frische Frakturen, akute Entzündungen, schwere Herzleiden, akute Tumorerkrankungen und fortgeschrittene Osteoporose — bei der Osteoporose widersprechen sie sich. Während der Einheit gelten Zittern und auf Schulterhöhe angehobene Ellenbogen als Abbruchzeichen.
Brauche ich eine Fortbildung, um damit zu arbeiten?
Vorgeschrieben ist keine. Die TÜV-Zeichengenehmigung der Medizinprodukt-Modelle verlangt allerdings die Aufsicht eines qualifizierten Trainers, und die Medizinprodukte-Betreiberverordnung verlangt Anwender mit der erforderlichen Kenntnis sowie eine Einweisung. Haftungsrechtlich zählt der allgemein anerkannte fachliche Standard.
Kann man so eine Wand an jede Wand bauen?
An eine Trockenbauwand nicht direkt. Trägt die Rückwand nicht, wird über Boden und Decke abgestützt; tragen auch die nicht, steht die Wand an einem freistehenden Ständer. Das Einbaumaß liegt bei rund 259 cm.
Kann Klettern bei Depressionen helfen?
Die Studienlage ist hier am besten: In einer multizentrischen randomisierten Studie senkte eine Boulder-Psychotherapie die Depressionswerte deutlich stärker als ein angeleitetes Bewegungsprogramm — der Effekt geht also über den reiner körperlicher Aktivität hinaus. Eine Boulder-Psychotherapie ersetzt keine Behandlung, kann sie aber ergänzen.
Was macht Klettern mit der Psyche?
Es fördert Selbstwirksamkeit und Selbstvertrauen: Man erlebt an der Wand unmittelbar, dass man eine Aufgabe bewältigt. Die hohe Erlebnisdichte holt aus dem Grübeln ins Handeln. Ein zentraler Mechanismus ist die Arbeit an der Kontrollverlustangst — der Furcht, einer Situation hilflos ausgeliefert zu sein.
Ist Klettern gut bei Skoliose?
Klettern kräftigt die wirbelsäulenstabilisierende Muskulatur in der geschlossenen Kette und schult Haltung und Körperwahrnehmung — deshalb wird es bei Haltungsschäden ergänzend eingesetzt. Bei strukturellen Skoliosen immer indikationsbezogen und ärztlich abgestimmt.
Was ist „DAV therapeutisches Klettern"?
Der Deutsche Alpenverein bildet Trainer für das Klettern mit Menschen mit Behinderung aus — ein eigenes Feld mit eigener Ausbildung.
Kurz beantwortet, ausführlich im Text
Wie viel Platz brauche ich?
Einbauhöhe rund 259 cm, übliche Anlagen drei bis fünf Meter breit, ein Modul 1,25 oder 1,50 Meter. Wichtiger als die Fläche sind zwei Meter freier Niedersprungbereich davor. → Weniger Platz, als die meisten annehmen
Was kostet eine Therapie-Kletterwand?
2.499 bis 4.999 Euro je Modul, dazu Versand und je nach Modell Montage; Ratenzahlung auf Anfrage. Dazu kommt die Fortbildung. → Was es kostet
Wie aufwendig ist das im Alltag?
Eine Einheit dauert so lange wie jede andere. Dazu kommen wenige Minuten Umschrauben pro Übung — vor der Einheit, nicht während. → Eine Einheit dauert so lange wie jede andere
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Die Kasse vergütet die verordnete Physio- oder Ergotherapie; das Klettern ist die Ausführungsform, keine eigene Heilmittelposition. Für §-20-Kurse und die Privatpraxis reicht ein Trainingsmodell. → Was die Kasse fragt
Quellen
- Fleissner, H.; Sternat, D.; Seiwald, S.; Kapp, G.; Kauder, G.; Rauter, B.; Kleindienst, R.; Hörmann, J. (2010): Therapeutisches Klettern verbessert Selbständigkeit, Mobilität und Gleichgewicht bei geriatrischen Patienten. European Journal of Geriatrics 12 (1), S. 12–16.
- Kern, C.; Elmenhorst, J.; Oberhoffer, R. (2013): Wirkung von Therapeutischem Klettern bei Personen mit Multipler Sklerose — Hinweise oder Nachweise? Neurologie & Rehabilitation 19 (4), S. 247–256. Volltext (PDF)
- Karg, N.; Dorscht, L.; Kornhuber, J.; Luttenberger, K. (2020): Bouldering psychotherapy is more effective in the treatment of depression than physical exercise alone: results of a multicentre randomised controlled intervention study. BMC Psychiatry 20:116. doi.org/10.1186/s12888-020-02518-y
- Buechter, R. B.; Fechtelpeter, D. (2011): Climbing for preventing and treating health problems: a systematic review of randomized controlled trials. GMS German Medical Science 9: Doc19. Volltext — enthält die Auswertung von Engbert & Weber 2011, Velikonja et al. 2010 und Mazzoni et al. 2009.
- Heitkamp, H.-C.; Mayer, F.; Böhm, S. (1999): Effekte eines Klettertrainings im Vergleich zu isokinetischem Krafttraining auf die wirbelsäulenstabilisierende Muskulatur. Aktuelle Rheumatologie 24, S. 40–46. Nur Zusammenfassung frei zugänglich.
- Kittel, R.; Jockel, B.; Gruber, M. (2010): Übungsgestaltung und Belastungssteuerung beim therapeutischen Klettern – das Modell der Stabilisierungsvierecke und Belastungsdreiecke. Bewegungstherapie und Gesundheitssport 26 (3), S. 126–130.
- Lukowski, T. (2010): Therapeutisches Klettern. erleben & lernen 3/2010, S. 19–21.
- Mehlhorn, I. (2000): Therapeutisches Klettern. Diplomarbeit, Institut für Sportmedizin und Prävention, Universität Potsdam.
- Kittel, R. (2015): Therapeutisches Klettern — Das Praxisbuch. 4. Auflage, TKS-Verlag, Miesbach. ISBN 978-3-9817341-0-2. Sowie: Lazik, D.; Bernstädt, W.; Kittel, R.; Luther, S. (2008): Therapeutisches Klettern. Thieme, Stuttgart.
- Haag, D. (2009): Polytrauma — physiotherapeutisches Management. Von der Intensivstation an die Kletterwand. pt — Zeitschrift für Physiotherapeuten 7, S. 647–650.
- Schmid, A.: Therapeutisches Klettern — Konzept der Bewegungstherapie am ZfP Südwürttemberg, Standort Zwiefalten. Arbeitskreis Bewegungstherapie in der Psychiatrie.
- Cassel, M.; Brecht, P.; Günther, K.-P.; Mayer, F. (2017): Endoprothesen und Sport. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 68 (2), S. 38–42.
- Institut für Therapeutisches Klettern (ITK): Team Physiotherapie (Rudolf Steckholzer) und Team Ergotherapie (Philipp Ruspeckhofer). therapieklettern.com
- IFK – Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (2018): Therapeutisches Klettern vielseitig einsetzbar. Pressemitteilung vom 4. Dezember 2018. ifk.de
- Projekt „Klettern und Stimmung" (KuS): Erfahrungsberichte von Teilnehmern. kletternundstimmung.de
- TÜV Thüringen: Zeichengenehmigungsausweis 3510.01992.Z01 für PhysioClimb Med Eco und Multifit Eco, ausgestellt am 7. April 2022, Anlage 1.
- Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) vom 14. Februar 2025, §§ 4, 11 und 13. gesetze-im-internet.de
- Bürgerliches Gesetzbuch, § 630a Abs. 2. gesetze-im-internet.de
- GKV-Spitzenverband: Leitfaden Prävention nach § 20 Abs. 2 SGB V, Anforderungen an die Anbieterqualifikation.
- PhysioClimb: Montageanleitung Griffe (2025).
- GKV-Spitzenverband: Blankoverordnung Physiotherapie für die Diagnosegruppe EX (Schulter), seit 1. November 2024.
- Deutsche Rentenversicherung: Vergütungssystem für die medizinische Rehabilitation, gültig ab 1. Januar 2026.
- PhysioClimb: Referenzen — Fallstudie KIRINUS Praxis Bruckmühl mit Rezension von Thomas Rohbeck, Juli 2026.
- Common Climber: Rand Abbott. commonclimber.com
